So können Werbeblocker Ihre Sicherheit im Internet erhöhen

Sie fahren Ihren Computer hoch und starten in einen neuen Tag. Ihnen bleiben fünfzehn Minuten, die neuesten Nachrichten zu lesen und Ihren Kaffee zu trinken, bevor Sie sich in den alltäglichen Pendlerverkehr stürzen. Doch dann klicken Sie versehentlich auf eine blinkende Werbeanzeige, die Sie auf eine fragwürdige Website führt, die natürlich ewig lädt…

Und schon ist Ihr Morgen dahin und eine Frage schießt ihnen durch den Kopf: Vielleicht sollte ich mir doch endlich einen Werbeblocker installieren, wozu mir meine Kollegen seit längerem geraten haben? Sie zögern jedoch noch. Wie leistungsfähig sind solche Werbeblocker eigentlich? Macht es Sinn, etwas so Harmloses wie langsam ladende Banner und gelegentlich auftauchende Rollover-Werbeanzeigen zu blockieren?

Sind Werbeanzeigen so schlimm?

Sie kennen solche Anzeigen sicherlich, denn Sie haben bereits Tausende gesehen. Es handelt sich um nervtötende Videos oder Banner, die sich zwischen Sie und die Inhalte zwängen, die Sie eigentlich sehen möchten.

Doch wie geht das eigentlich von statten?

Werbeanzeigen, sind oftmals von externen Werbenetzwerken in Websites eingebettet und werden von zentral geschalteten Servern verwaltet. So verbindet sich Ihr Browser nicht nur mit der Website, deren Adresse Sie eingegeben haben, sondern ebenso einer Reihe von Servern, die all diese ablenkenden Videos und blinkenden Bilder verteilen. Da viele große Websites mit den gleichen Werbenetzwerken zusammenarbeiten, können diese Sie leicht im Netz verfolgen.

Werbebanner werden oft von externen Quellen eingebettet.

Man weiß alles über Sie

Diese Werbenetzwerke zeichnen auf, wann Sie einen Blick auf die Website Ihres nächstgelegenen Supermarkts werfen, Jobangebote durchstöbern oder sogar lustige Katzenvideos ansehen. Was viele nicht wissen: während Sie bald vergessen, welche Seiten Sie angesteuert haben, vergisst das Netzwerk nichts. Denn diese Daten werden mit Hilfe von Cookies und Pixel-Tags gesammelt und daraus Profile mit Ihren Interessen, Ängsten, Altersgruppenzugehörigkeit, Geschlecht usw. erstellt.

Mit diesen Profilen werden Ihnen dann maßgeschneiderte Werbeanzeigen vorgesetzt. Wenn Sie beispielsweise über eine bestimmte Krankheit Recherchen anstellen, werden Ihnen endlos Werbeanzeigen mit passenden Medikamenten und Behandlungen angeboten, selbst wenn Sie eigentlich nur eine kurze Recherche zu einer harmlosen Entzündung angestellt haben.

Dies nennt man Online Behavioral Advertising oder Behavioral Targeting (verhaltensorientierte Werbung), eine allgegenwärtige Methode, die in den meisten Ländern nicht genau reguliert ist.

Vorteile in der Verwendung eines Werbeblockers

Falls Sie noch nicht damit vertraut sind: ein Werbeblocker ist eine Software oder Browser-Erweiterung, die alle HTML-Elemente herausfiltert, die erwartungsgemäß Werbeanzeigen enthalten. Da die meisten Werbeanzeigen von Servern Dritter stammen und über genormte Bildgrößen verfügen, lassen sie sich recht leicht erkennen und entfernen. Beinahe 200 Millionen Menschen weltweit nutzen einen Werbeblocker laut einer Umfrage von PageFair und Adobe. Werbung ist wohl das Nervigste im Netz. Es gibt jedoch weitaus gewichtigere Gründe, einen Werbeblocker zu verwenden.

1. Schnelleres Laden von Webseiten

Werbung macht oftmals den Löwenanteil der übertragenen Daten aus, und Video- und animierte Werbeanzeigen nehmen viele Ressourcen Ihres Rechners zum Rendern in Anspruch. Die schlimmsten Werbeanzeigen sind diejenigen, bei denen Audio im Hintergrund abgespielt wird. Das kann sich stark auf die Bandbreite auswirken und zu peinlichen Momenten im Büro führen, wenn Sie vergessen haben, die Lautsprecher abzudrehen. Werbeblocker blenden nicht nur diese Elemente aus, sondern unterbinden ebenso ihre Übertragung vom Server. Mit einem Werbeblocker können Sie jeden Monat Hunderte Megabyte an Traffic sparen, ganz zu schweigen vom bedeutend schnelleren Laden Ihrer Lieblings-Websites. Webpagetest ist eine gute Website, mit der Sie auswerten lassen können, wie viele Daten von verschiedenen Servern beim Öffnen einer Website übertragen werden und wie dabei die Verzögerung ist.

Bei Chrome können Sie Details über Laden und Scripts in den Entwickler-Werkzeugen (mit F12) anzeigen lassen. Im Beispiel sehen Sie eine typische, werbeüberladene Seite, die mit und ohne aktiviertem Werbeblocker geladen wird.

2. Sicherheit und Malware

Wussten Sie eigentlich, dass Sie sich über Werbung auch Malware einfangen können? Werbenetzwerke sind bereits in der Vergangenheit kompromittiert oder infiltriert worden, um Werbung mit einer Methode auszuliefern, die als Malvertising bekannt ist. In diesen manipulierten Werbeanzeigen versteckt sich Exploit-Code, mit dem Sicherheitslücken in Browsern oder Browser-Plugins wie Flash oder Java Runtime ausgenutzt werden. Da Werbeanzeigen durch derart viele Websites ausgeliefert werden, konnten Angreifer so ihre Malware innerhalb von Minuten auf Hunderttausenden Rechnern einschleusen.

Doch nicht nur so können Sie sich über Werbeanzeigen Malware einhandeln. Oftmals sind sie darauf ausgelegt, Nutzer hinters Licht zu führen. So werden zum Beispiel Fehlermeldungen oder Software-Buttons vorgegaukelt, damit Sie darauf klicken. Auf Download-Portalen werden mit diesen Anzeigen oftmals Download-Buttons nachgeahmt, damit die Nutzer darauf klicken. Diese finden sich dann plötzlich auf dubiosen Websites wieder, auf denen sie zum Download von PUP-Paketen angeleitet werden sollen, die zu noch mehr Werbung und einem echten Teufelskreis führen.

Website-Screenshot mit und ohne Werbeblocker

Entfernen Sie all diese Werbeanzeigen, und schon ist die Seite viel kürzer und weniger überfüllt.

3. Datenschutz

Datenschutz ist eine der größten Sorgen vieler Menschen bei Werbung, was sie oft zur Verwendung von Werbeblockern veranlasst. Denken wir beispielsweise an die Recherche wegen einer Entzündung zurück. Sie verwenden dreißig Minuten mit der Recherche zu einer Entzündung am Zeh, die sich auf kaum mehr als ein paar juckende Insektenstiche zurückführen lässt. Hier machen Sie sich bereits Gedanken um Ihre Privatsphäre: wenn sich diese Daten mit Ihren persönlichen Daten in Verbindung bringen lassen, so können diese auf vielerlei Art und Weise verkauft und verbreitet werden, die sich in ihrem tagtäglichen Leben niederschlagen können.

Während die Auswirkungen dieser Methoden des Behavioral Targeting außerhalb des Webs noch weitgehend unerforscht sind, so gibt es nur wenige Bestimmungen darüber, wer diese sensiblen Daten kaufen oder erhalten darf. (Es gibt ein paar Selbstregulierungsprinzipien der Federal Trade Commission sowie das Verbot des Targeting von Kindern.)

So kann beispielsweise ein Versicherungsunternehmen Ihren Antrag ablehnen, wenn der Verdacht besteht, dass Sie an einer Vorerkrankung leiden. Oder eine Firma, bei der Sie sich beworben haben, könnte Ihre Bewerbung ablehnen, weil man dort lieber niemanden mit zu vielen Gesundheitsproblemen einstellt. Es gibt einfach gar keine Garantie dafür, dass diese privaten Daten nicht in die falschen Hände geraten.

Nachteile von Werbeblockern

Augenscheinlich bringt der Einsatz von Werbeblockern nicht all zu viele Nachteile mit sich, wenn man vor allem die Vorteile bedenkt, aber es gibt ein paar Grundprobleme in ihrer bloßen Existenz und Funktionsweise.

1. Sie schmälern die Einkünfte der Schöpfer Ihrer Lieblingsinhalte

Der Einsatz von Werbeblockern hat große Auswirkungen auf die Einkünfte der Schöpfer von Inhalten im Netz und können Ihren Lieblingsblogger oder -YouTube-Star arbeitslos machen.

Falls Sie gerne beliebte Technik- und Gaming-Websites besuchen, so können die Auswirkungen beträchtlich sein, da diese oftmals von Werbung leben. Sie haben zwei Möglichkeiten zur Behebung dieses Problems: entweder zahlen Sie für qualitativ hochwertige Inhalte oder Sie deaktivieren gezielt Ihren Werbeblocker auf Websites, die Sie finanziell unterstützen möchten.

2. Selbst Werbeblocker müssen sich finanzieren

Die meisten Erweiterungen und Softwareprogramme zum Blockieren von Werbung sind kostenlos, was anfangs ein großer Vorteil zu sein scheint. Leider führt jedoch die Nachfrage nach kostenloser Software (wie bei kostenlosen Inhalten) zu zahllosen Entwicklern, die sich auf andere Art und Weise ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

Denn letztlich erfordert auch die Programmierung eines guten Werbeblockers entsprechende Mittel. So greifen diese Entwickler manchmal zu zweifelhaften Methoden, was sich wiederum auf die zuverlässige Blockierung von Werbung auswirken kann.

Beispielsweise werden bei Adblock Plus, einem marktführenden Werbeblocker, automatisch bestimmte Werbenetzwerke zugelassen, die hierfür eine stattliche Summe berappen. Diese Werbenetzwerke können Sie zwar manuell blockieren, aber hierbei besteht zweifelsohne ein Interessenkonflikt, wenn Werbenetzwerke Ihren Werbeblocker finanzieren. Dass diese Unternehmen sozusagen für ihre Werbung Lösegeld bezahlen, klingt erschreckend, aber damit sind wir im Antiviren-Sektor bereits all zu sehr vertraut.

Empfohlene Werbeblocker

Es gibt auf dem Markt viele Werbeblocker, von denen viele kostenlos sind. Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick über die aktuell beliebtesten und vertrauenswürdigsten auf dem Markt:

Adblock Plus

adblock logoAdblock Plus ist eine Open-Source-Browser-Erweiterung für Firefox, Chrome, Internet Explorer, Safari, Opera und Yandex. Diese Erweiterung verfügt über gute Bewertungen bei den meisten Browsern, aber wie oben erwähnt, wird “akzeptable” Werbung ignoriert.

Ublock Origin

ublock_logoUblock Origin ist eine Open-Source-Erweiterung für Chrome, Safari und Firefox. Sie ist beliebt auf Grund ihres im Vergleich mit Konkurrenten geringen Ressourcenverbrauchs.

Denken Sie also daran: Sie müssen Ihre kostbare Zeit nicht mit nerviger Werbung verschwenden, sondern können etwas dagegen tun. Dies mag nicht ganz ohne Nebenwirkungen ablaufen, aber in puncto Online-Sicherheit sorgen Werbeblocker für einen großen Unterschied.

Wir wünschen eine schöne (werbungsfreie) Zeit!

  • Fynsch

    Einerseits freut es mich, dass ihr die zweifelhhaften Einnahmequellen von ABP mit erwähnt – andererseits kann ich dann nicht verstehen, dass ihr ABP trotzdessen explizit in die Liste der “empfohlenen Werbeblocker” nehmt, gerade in Anbetracht der wirklich guten Alternativen, zu denen man mittlerweile greifen kann.

    Nichtsdestotrotz wieder ein toller Artikel!

  • Sara Agai

    Das Probem mit den Blocker ist, daß man dann auch nicht mehr alle Seiten sehen kann.