Wieso meldet Chrome Emsisoft Anti-Malware als inkompatibel?

  • 17. September 2018
  • 4 min Lesezeit
Chrome blocking incompatible applications

Im November 2017 hat Google damit begonnen, bei seinem Browser Chrome eine experimentelle Funktion einzuführen. Sie soll Anwendern mittels Warnmeldungen helfen, Software auf Ihrem Computer zu erkennen und zu entfernen, die möglicherweise Code in Chrome einschleust und den Browser damit instabil macht.

Beim Einschleusen von Code wird von anderen Anwendungen zusätzlicher Code in ein Programm geschrieben – in der Regel, um ordnungsgemäß funktionieren zu können. Das ist auch bei Chrome der Fall. Google behauptet jedoch, dass bei Anwendern mit Programmen, die Code in die Windows-Version von Chrome einschleusen, die Absturzwahrscheinlichkeit um 15 % höher ist. Folglich hat der Suchmaschinen-Riese damit begonnen, alle Anwendungen zu blockieren, die zusätzlichen Code in den Browser zu schreiben versuchen.

Mit Beginn der zweiten Einführungsphase dieser Funktion sehen immer mehr Anwender folgende Meldung, wenn ihr Browser abstürzt:

Emsisoft und Google Chrome

Natürlich ist es nur gut, wenn Google die Stabilität seines beliebten Browsers weiter verbessert. Allerdings gibt es in der aktuellen Ausführung dieser Funktion ein Problem: Das Einschleusen von Code in den Browser ist nicht zwangsläufig schädlich. Natürlich gibt es einige Malwares, die damit die Browserprozesse zu ihrem Nutzen manipulieren wollen, aber das tun auch hunderte rechtmäßige Anwendungen – und dazu gehört eben auch Emsisoft Anti-Malware.

Sollten Sie Emsisoft Anti-Malware also entfernen, wenn Ihnen diese Meldung angezeigt wird?

Kurz gesagt: Nein. Es liegt nicht an Emsisoft Anti-Malware, dass Ihr Browser abstürzt. Die neue Sicherheitsfunktion von Chrome kann allerdings nicht zwischen bösartigem und unschädlichem Code unterscheiden. Wenn der Browser also abstürzt, werden schlicht alle Anwendungen angezeigt, die Code einschleusen.

Weshalb löst Emsisoft Anti-Malware diese Warnmeldung in Chrome aus?

Wie bereits erwähnt soll die Funktion Chrome noch stabiler machen. Anstatt jedoch zu überprüfen, welche Programme genau das Problem hervorrufen, setzt der Browser auf eine Universallösung: Anwender erhalten schlicht für jede Anwendung, die Code in den Browser einschleust, eine Warnung und die Empfehlung, das fragliche Programm zu deinstallieren – unabhängig davon, ob es tatsächlich schädlich ist.

Wie viele andere Antivirus-Programme auch schreibt Emsisoft Anti-Malware Code in den Browser, um ihn auf möglicherweise schädliche Bedrohungen zu überwachen. Da dies seitens Chrome als eine Manipulation des Codes angesehen wird, meldet der Browser bei einem Absturz das Programm als inkompatible Anwendung. Dabei ist eigentlich das Gegenteil der Fall: Emsisoft Anti-Malware schützt Sie aktiv, wann immer Sie Chrome nutzen oder allgemein im Internet unterwegs sind.

Diese Funktion mag übervorsichtig erscheinen, doch laut einem Google-Entwickler ist sie die einzig mögliche Option, da Chrome nicht automatisch feststellen kann, ob der von einer Software eingeschleuste Code gefährlich oder unschädlich ist.

„Ein Chrome-Entwickler hier. Das passiert im Zusammenhang mit einer neuen Funktion, die Drittanbieter-Software daran hindern soll, [Code] in Chrome-Prozesse einzuschleusen und dessen Code zu beeinträchtigen. Diese Art der Software-Einschleusung ist auf der Windows-Plattform weit verbreitet und sorgt für erhebliche Stabilitätsprobleme (Abstürze). Der Browser Microsoft Edge blockiert bereits auf diese Weise und wir arbeiten daran, dass Chrome sich ähnlich verhält. Was Ihnen angezeigt wird, ist die ursprünglich im November 2017 angekündigte Warnphase der einjährigen Bemühungen, um diese Form des Blockierens einzuführen.

Für Chrome ist es gewissermaßen unmöglich, automatisch festzustellen, ob eine bestimmte Software harmlos oder zielgerichtet einschleust und den Chrome-Code manipuliert. Der Einfachheit halber warnen wir bei jeglicher einschleusenden Software, ohne eine Bewertung vorzunehmen. Bitte beachten Sie, dass wir schon bald Software tatsächlich am Einschleusen hindern werden. Dann wird Ihnen diese Warnmeldung nicht mehr angezeigt. Beachten Sie außerdem, dass Sie diese Abstürze nur sehen, wenn Sie die Seite chrome://settings/incompatibleApplications manuell aufrufen, oder beim Start, nachdem der Chrome-Browser abgestürzt ist.

Diese Funktion ist darüber hinaus derzeit noch im Versuchsstadium, sodass sie nicht allen Anwendern angezeigt wird.“

Sollten Sie „inkompatible Anwendungen“ deinstallieren?

Als Emsisoft-Kunde werden Sie sich sicherlich fragen, weshalb Chrome Emsisoft Anti-Malware als „inkompatible Anwendung“ führt.

Sie brauchen sich keine Sorgen machen und müssen Emsisoft Anti-Malware auch nicht wieder deinstallieren. Unserer Software ist nicht der Grund dafür, dass der Browser abstürzt, und sie schleust erst recht nicht irgendwelchen schädlichen Code in Chrome ein. Dass die Software gemeldet wird, liegt lediglich daran, wie sie Bedrohungen im Browser erkennt. Leider gibt es derzeit keine Möglichkeit, diese Funktion zu deaktivieren. Am einfachsten ist es sicherlich, die Meldung für Emsisoft Anti-Malware und andere vertrauenswürdige Software auf Ihrem Computer zu ignorieren.

Sollte Ihnen Chrome jedoch eine Warnmeldung für ein Programm anzeigen, dass Ihnen nicht bekannt ist, informieren Sie sich zunächst ausführlich darüber, was es mit dieser Software auf sich hat und wozu sie dient. Erst dann können Sie sinnvoll eine Entscheidung treffen, ob Sie sie entfernen sollten oder nicht.

Ihnen sind noch keine derartigen Warnmeldungen angezeigt worden? Das könnte sich in den kommenden Monaten noch ändern, wenn Google die Funktion bei noch mehr Anwendern bereitstellt. Ob die Funktion bei Ihnen bereits aktiv ist, können Sie feststellen, indem Sie chrome://settings/incompatibleApplications in die Adressleiste von Chrome eingeben. Dann werden Ihnen alle Programme angezeigt, die Code in den Browser einschleusen.

Ab Januar 2019 werden Ihnen keine derartigen Warnmeldungen mehr angezeigt. Dann wird nämlich die dritte Phase eingeleitet, mit der Chrome automatisch alle Code einschleusenden Programme blockiert. Wir werden Sie jedoch über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

Wir wünschen eine schöne (Malware-freie) Zeit.

 

Übersetzung: Doreen Schäfer

Jareth

Jareth

Freier Schriftsteller und Sicherheits-Enthusiast in Auckland, Neuseeland.

Weitere Artikel

Leserkommentare