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Blick hinter die Zahlen: Die versteckten Kosten von Ransomware

  • 16. April 2020
  • 7 min Lesezeit
Beyond the figures: Exploring the hidden costs of ransomware

Wir haben bereits ausführlich anhand von Zahlen dargelegt, welche Schäden Ransomware in den USA und auch weltweit angerichtet hat. Allerdings lassen diese Berichte außer Acht, was das im einzelnen bedeutet: etwa, dass kleine Unternehmen den Betrieb einstellen mussten, Kriminelle entkommen konnten oder Patienten keinen Zugang mehr zu Arzneimitteln und medizinischer Versorgung hatten.

In dem heutigen Artikel möchten wir einen Blick hinter die Zahlen werfen und zehn weitere Bereiche beleuchten, in denen Ransomware unter anderem den Alltag von kleinen Unternehmen, Angestellten, Studenten und Krankenhauspatienten auf der ganzen Welt beeinträchtigt hat.

1. Polizei verliert Beweise – Verdächtige wieder auf freiem Fuß

Ransomware-Angriffe auf Polizeistationen führten in den USA zu schweren Beeinträchtigungen der Notrufdienste. Die Effizienz der Polizeireviere litt erheblich, da wieder mit Stift und Papier gearbeitet werden musste. Außerdem gingen Beweise verloren und Verdächtige wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.

2. Schimmel in Schulen in Ohio aufgrund von Störungen bei digitaler Klimaanlage

Wie in unserem Bericht The State of Ransomware in the US: Report and Statistics 2019 (auf English) bereits erwähnt, waren 2019 in den USA über 1 200 Schulen von Ransomware betroffen. Absehbare Folgen hierbei waren unter anderem der Verlust von Benotungsdaten oder, dass die Mitarbeiter nicht mehr auf Informationen zu Arzneimitteln oder Allergien von Schülern zugreifen konnten, sodass Schulen zeitweise geschlossen werden mussten. Es gab jedoch auch unvorhersehbare Auswirkungen dieser Angriffe.

Im Mai 2019 wurde der lokale Schulbezirk von Coventry Opfer von Trickbot. Der Schädling setzte das Telefonsystem außer Kraft und die Schulen mussten für einen Tag schließen. Bei dem Angriff wurden jedoch auch die mit dem Internet verbundenen Klimaanlagen einiger Schulen beeinträchtigt, wodurch die Temperaturregelung ausfiel und es in den betroffenen Schulen zu einem Wachstum potenziell schädlicher Schimmel kam.

3. Unterbrechung der Immobilientransaktionen in Baltimore

Ebenfalls im Mai 2019 wurde die Stadt Baltimore mit RobbinHood infiziert. Dabei wurde nicht nur die Arbeit sämtlicher Behörden gestört, sondern auch der Immobilienmarkt beeinträchtigt.

Aufgrund des Ausfalls der für Immobiliengeschäfte erforderlichen Systeme konnten keine Transaktionen mehr durchgeführt werden – und das in dem für den Immobilienmarkt von Baltimore normalerweise aktivsten Monat. Es konnten keine Geschäfte mehr abgeschlossen werden, da Versicherungsunternehmen den Status von eventuellen Hypotheken nicht überprüfen konnten oder, ob noch Steuerzahlungen oder Rechnungen bei Versorgern offen sind. Folglich konnten sie auch keine Eigentumsversicherungen für die Käufer ausstellen. Die Stadtverwaltung und das Katasteramt benötigten zwei Wochen, um eine Zwischenlösung zu entwickeln.

4. Krankenhäuser gezwungen, neue Patienten abzuweisen und OPs zu verschieben

Auch wenn das Motiv für Ransomware häufig Geld ist, steht für die Opfer selbst jedoch oft viel mehr auf dem Spiel.

Das ist insbesondere im Gesundheitswesen der Fall. Ransomware-Gruppen zielen häufig auf das Gesundheitswesen ab, da die Gefahr eines lebensgefährdenden Systemausfalls die Opfer noch stärker unter Druck gesetzt, das Lösegeld zu bezahlen. Angriffe haben bereits dafür gesorgt, dass OPs verschoben oder neue Patienten abgewiesen werden mussten, Patientendaten vernichtet wurden und einige Gesundheitsdienstleister ihren Betrieb sogar ganz einstellen mussten.

5. Starker Anstieg von Cyberversicherungsbeiträgen

Cyberversicherungen spielen eine zunehmend wichtige Rolle bei den Strategien zum Ransomware-Risikomanagement. Sie decken dabei in der Regel nicht nur das Lösegeld ab, sondern auch eine Reihe von weiteren Kosten, etwa zur Datenwiederherstellung oder Begleichung rechtlicher Verbindlichkeiten. Zahlreiche kostspielige Forderungen in den vergangenen Monaten haben etwa in den USA dafür gesorgt, dass die Anbieter ihre Beiträge für Cyberversicherungen um 25 % angehoben haben.

6. Verzögerung bei Wollauktionen in Australien beeinträchtigt Liquidität von KMU

Im Februar 2020 kam der Wollhandel in Australien zum Stillstand, nachdem Talman Opfer von Ransomware geworden war. Die Lösungen des Softwareanbieters werden für Dreiviertel des gesamten Wollhandels in Australien und Neuseeland eingesetzt. Die etwa 70 000 Ballen betreffenden Wollauktionen mussten für diese Woche ausgesetzt werden, was wiederum die Liquidität einiger Züchter beeinträchtigte, die ihre Kreditraten nicht bezahlen konnten und folglich Überziehungszinsen von bis zu 18 % zahlen mussten.

7. Medizinbestellungen in Pflegeheimen nicht möglich

Im November 2019 waren 110 Pflegeheime in den USA von Ryuk betroffen, nachdem ihr IT-Dienstanbieter Virtual Care Provider Inc. (VCPI) Opfer eines Angriffs geworden war. Nahezu alle Server von VCPI waren betroffen und folglich auch der Internet-, Telefon- und E-Maildienst, der Zugriff auf Patientendaten sowie das Abrechnungssystem. In einigen Einrichtungen konnte das Pflegepersonal keine neuen Arzneimittel bestellen, wodurch die Gesundheit und das Leben der Bewohner gefährdet wurde.

8. Rückgriff auf Papiersysteme erhöht Diebstahlrisiko

Ransomware setzt meistens Telefon-, E-Mail- und Abrechnungssysteme von Unternehmen außer Betrieb, sodass diese wieder auf Stift und Papier zurückgreifen müssen. Diese Arbeitsweise ist nicht nur wesentlich ineffizienter, sondern birgt auch das Risiko, dass die Zwangslage von skrupellosen Arbeitskräften zum eigenen Vorteil missbraucht wird.

Von November 2017 bis Januar 2018 akzeptierte die Finanzabteilung der Stadt Spring Hill aufgrund eines Ransomware-Angriffs Anfang November, der die Systeme zur Zahlungsabwicklung außer Kraft setzte, nur Bar- und Scheckzahlungen. Eine Debitorenbuchhalterin missbrauchte die Situation, um mindestens 1 543,96 USD von 19 Kunden zu stehlen, die ihre Zahlungen im Einwurfkasten der Stadt hinterlassen hatten. Die verantwortliche Angestellte wurde im Februar 2018 entlassen und im September 2019 angeklagt.

9. Unternehmen geben Geschäft auf und Angestellte werden entlassen

In einigen Fällen waren die Störungen durch Ransomware so massiv, dass es zu Stellenstreichungen kam oder Unternehmen insolvent gingen.

10. Verzögerung bei Frachtlieferungen

Auch im Logistiksektor, wo Sicherheit und Pünktlichkeit unerlässlich sind, hat Ransomware bereits für enorme Probleme gesorgt.

Im Juni 2017 erlitt Logistikriese Maersk einen der verheerendsten Ransomware-Angriffe überhaupt. 4 000 Server und 50[nbps]000 Endpunkte an 600 Standorten in 130 Ländern wurden dabei infiziert, was zu weitreichenden Störungen führte. Die Unternehmenswebsite fiel aus, es konnten keinen neuen Buchungen aufgenommen werden und sämtliche Daten zur Identifizierung des Inventars der 800 Schiffe von Maersk waren gelöscht worden. Das Unternehmen schätzt den entstandenen Gesamtschaden auf 300 Millionen USD.

Im Februar 2020 wurde die australische Transport- und Logistikfirma Toll Group Opfer einer Variante der Mailto-Ransomware. Durch den Vorfall fielen eine Reihe von IT-Systemen des Unternehmens aus, was zu erheblichen Lieferverzögerungen führte und die Frachtmengen beeinträchtigte.

Fazit

Für jene, die nie Opfer eines Ransomware-Angriffs wurden, mag sich das nur nach einer abstrakten digitalen Bedrohung anhören, doch die Auswirkungen sind mehr als real. Krankenhäuser müssen schließen, mutmaßliche Straftäter werden gehen gelassen und Menschen verlieren ihre Arbeit – und das sind nur einige der Möglichkeiten, wie Ransomware unserem Alltag schaden kann.

 

Übersetzung: Doreen Schäfer

Jareth

Jareth

Freier Schriftsteller und Sicherheits-Enthusiast in Auckland, Neuseeland.

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